Württembergische Staatseisenbahnen

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1885 beschreibt Dr. Jur. Supper in seiner Denkschrift „Die Entwicklung des Eisenbahnwesens im Königreich Württemberg“ dass mit der Vermehrung der Züge Personenverkehr und Güterverkehr nach und nach getrennt würden.

Bei Personenzügen unterscheidet er zwischen Personenzügen, gemischten Zügen, beschleunigten Personenzügen und Schnellzügen. Später (1865) müssten seiner Meinung nach noch zwei Zuggattungen hinzugefügt werden. Dies wäre der so genannte „Orientexpresszug“ der Salonwagen, Speisewagen und Schlafwagen mit sich führte und zur Entlastung verkehrsreicher Strecken Omnibus- oder Lokalzüge.

Bei den Wagenreihungen wird es nun schwierig. Außer ein paar wenigen Fotos sind mir kaum Unterlagen bekannt die etwas über die Wagenreihung der Personenzüge verraten. Bei der Illustration werde ich daher versuchen, mit Modellen Beispiele darzustellen. Fündig wird man in einem Fahrplan vom 5. Oktober 1919. Dort werden durchlaufende Wagen in den Zügen Württembergs aufgezählt.

Also wollen wir dem hochrangigen Reisezugverkehr den Vorrang geben wie dies auch auf der Strecke geschah.

Durchlaufende Wagen:

Zwischen.

Über:

In den württembergischen Zügen

 

1. und 2. Klasse:

 

Stuttgart – Berlin Anh.Bf

Aalen, Crailsheim, Nürnberg, Bamberg Jena Naumburg, Halle

D 147 und D 148

 

1., 2. und 3. Klasse:

 

Berlin- Immendingen

Halle, Erfurt, Ritschenhausen, Würzburg Osterburken, Stuttgart, Eutingen

D 38 und D 37

Frankfurt a.M.-München

Darmstadt, Friedrichsfeld, Heidelberg,Bruchsal, Stuttgart, Ulm

D 53

Frankfurt a.M.- Stuttgart

bis 16. Oktober

Darmstadt, Friedrichsfeld,Mannheim, Graben – Neudorf, Bruchsal

D 59bis 16. Oktober

Graben – Neudorf - Ulm

Bruchsal, Stuttgart

D 53 und D18

Karlsruhe – Stuttgart

Pforzheim

D 59 und D 61

München - Frankf. a.M.

Bis 15. Oktober

Ulm, Stuttgart, Bruchsal, Graben – Neudorf, Mannheim, Friedrichsfeld, Darmstadt

D 4 bis 15. Oktober

München – Karlsruhe

Ulm, Stuttgart, Mühlacker, Pforzheim

D 4 und D 53

Stuttgart – Karlsruhe

Mühlacker, Pforzheim

D 18, D 52 und D59, D 61

Stuttgart – Nürnberg

Schwäbisch Gmünd, Aalen, Crailsheim

D 147 und D 148

Ulm – Frankfurt a.M.

Stuttgart, Bruchsal, Heidelberg, Friedrichsfeld, Darmstadt

D 18

Ulm – Karlsruhe

Stuttgart, Pforzheim

D 18

 

2. und 3. Klasse:

 

Friedrichsfld – München

Heidelberg, Bruchsal, Stuttgart, Ulm

D 53

Stuttgart – Frankf. a.M.

Bruchsal, Graben – Neudorf, Mannheim, Friedrichsfeld, Darmstadt

D 4     und     D59

(bis 15. Okt.)       (bis 16. Okt.)

Stuttg. - Friedrichsfeld

Stuttgart, Bruchsal, Heidelberg

D 18 und D 53

Ulm – Friedrichsfeld

Stuttgart, Bruchsal, Heidelberg

D 18

 

3. Klasse:

 

Ulm – Friedrichsfeld

Stuttgart, Bruchsal, Heidelberg

D 18 und D 53

 

Schlafwagen:

 

Stuttgart – Berlin

Osterburken, Würzburg, Meiningen, Erfurt, Halle

D 37 und D

 

Reihenfolge der durchkaufenden Personenwagen in den Schnell- und Eilzügen bei der Abfahrt in Stuttgart Hauptbahnhof

 

Zug Nr.

Abfahrt

nach

Reihenfolge der Wagen – von der Drehscheibe aus gesehen

 

Im
Sttgt.
Hbf

Am Bahn-steig

   

E 17

1.22

2

Ulm

Ulm 3. Kl., 1./2. Kl., 2./3.Kl., 3. Kl.

 

 

 

S D 147

6.48

2

Crailsheim

Nürnberg 3. Kl., 1./2. Kl., Berlin 1./2. Kl.

 

 

 

„D 38

8.20

1

Immendingen

Imendingen 3. Kl., 2./3. Kl., 1./2. Kl.

 

 

 

„773W

8.20

3

Tübingen

Tübingen (2./3. Kl. n. Bedarf), 1./2. Kl., 3. Kl.

 

 

 

„D 23

8.30

2

Friedrichshafen

Friedrichshafen 1./2. Kl., 2./3. Kl., 3. Kl.

 

 

 

„D 18

9.38

3

Bruchsal

Karlsruhe 3. Kl., 2./3. Kl., 3. Kl., (Friedrichsfeld 3. Kl., 2./3. Kl.), Franfurt 3. Kl., 1./2. Kl.

 

 

 

„D 52

12.58

3

Mühlacker

Karlsruhe 1./2. Kl., 2./3. Kl., 3. Kl.

 

 

 

„D 4

bis 15. Okt.

4.47

3

Bruchsal

Karlsruhe 3. Kl., 1./2. Kl,  Franfurt  1./2. Kl., 3. Kl.,1./2. Kl., 2./3. Kl., 3. Kl. Bis 15. Oktober

 

 

 

„D 4

bis 15. Okt.

4.47

3

Mühlacker

Karlsruhe 3. Kl., 1./2. Kl., 2./3. Kl., 3. Kl., 1./2. Kl., 3. Kl.

 

 

 

„D 53

5.10

2

Ulm

Ulm 3. Kl., München 2./3. Kl., 3. Kl., 1./2. Kl., 3. Kl. 1./2. Kl.

 

 

 

„D 37

6.15

2

Osterburken

Berlin 3. Kl., 2./3. Kl., 1./2. Kl., 3. Kl., Schlafwagen Berlin

 

 

 

 

Die gewöhnlichen Personenzüge sind bei der Abfahrt in Stuttgart Hbf im allgemeinen in folgender Weise zusammengestellt:


Ein schönes Beispiel für eine Fernverbindung mit durchlaufenden Wagen haben wir in dem vorleigenden Faltblatt aus dem Jahr 1913. Von London geht es über Paris oder Ostende bis Konstantinopel.

Wir steigen um 11:00 Uhr in London Viktoria Station ein, sind am nächsten Morgen um 6:40 Uhr in Stuttgart und, schwuppdiewupp, nochmals zwei Tage später um 10:17 Uhr in Konstantinopel.
Wir haben es natürlich längst bemerkt, es ist der Orient Express, der prominenteste Luxuszug der unser Württemberg durcheilt. Und einer der wenigen europäischen Luxuszüge überhaupt der die Landeshauptstadt anfährt.

An klangvollen Namen ist nur noch der Carlsbad Express zu nennen, der von Paris nach Carlsbad ebenfalls vier Minuten Station in Stuttgart macht.Die meisten anderen nehmen die Rheintalstrecke und lassen Württemberg links liegen oder queren Deutschland weiter nördlich.

Diese durchlaufende Wagen sind natürlich nicht nur in den Luxuszügen anzutreffen. Sie sind auch zur Bequemlichkeit der Reisenden und zum ständigen Ärger der Fahrplankommisionen in den anderen Fernreisezügen und drücken die Durchschnittsgeschwindigkeit der Züge erheblich nach unten. Außerdem wird peinlichst darauf geachtet, dass die Zahl der Achskilometer die von den durchlaufenden Wagen erbracht werden, zwischen den verschiedenen Bahnverwaltungen ausgeglichen werden.

 

Nun aber genug, mit der großen weiten Welt und den klangvollen Namen. Der brave württembergische Landmann benutzt andere Züge um zu Tante Klara ins Oberland oder zum Reservistentreffen nach Friedrichshafen zu kommen. Mit einem Handvesper ausgerüstet wird er in Stuttgart einen der weiter oben genannten „gewöhnlichen Personenzüge“ besteigen. Die Welt der Speise- und Schlafwagen wird er wohl nicht kennenlernen. Die nebenstehende Tabelle aus einer statistischen Darstellung von Dr. Oskar Jacob aus dem Jahr 1895 belegt dies auf's Deutlichste. Die vierte Klasse gab es zu diesem Zeitpunkt in Württemberg noch nicht. Sie wurde erst 1906 eingeführt. Nur 0,4 % der Reisenden benutzte die erste Klasse. Wie man der Aufstellung allerdings auch entnehmen kann wird 1895 der Großteil der Einahmen aus der dritten Klasse erwirtschaftet.

In Württemberg sah dies so aus:

Der Zug unseres schwäbischen Reisenden setzt sich zusammen aus einem zweiachsigen Packwagen, ein Postwagen vielleicht, ein gedeckter Güterwagen Litera H, für den Stückguttransport, und eine Reihe württembergischer zwei- und vierachsigen Durchgangswagen der Klassen 2 bis 3, und später dann der vierten Klasse, mit ihren offenen Endbühnen. Gebildet wird er aus einem festen Zugstamm, dessen Wagen einem bestimmten Heimatbahnhof zugeordnet sind.


Minimalausstattung im Modell. T3, BCCü und Packwagen. Lok und Wagen von Brawa.

Neben den uns nun schon bekannten Zügen aus den typischen württembergischen Wagen gebildet, versuchte Württemberg mit Triebwagen, damals Motorwagen genannt, einen wirtschaftlichen Betrieb in verkehrsschwachen Zeiten aufzubauen. Alle diese Triebwagen waren für den Einmannbetrieb ausgelegt.

Am bekantesten dürften die Dampftriebwagen der Bauart Kittel sein. Die zuvor erprobten Serpollett Dampftriebwagen bewährten sich im täglichen Betrieb nicht und wurden, bis auf den ersten Original Serpollet Dampftriebwagen,  mit Kittel-Kesseln umgerüstet. Es konnten zwei bis drei zweiachsige Personenwagen mitgeführt werden. Dieser Kitteldampftriebwagen setzte sich als Einziger gegenüber den den anderen Triebwagenversuchen durch.

Versuche mit Benzol- und Akkumulatorentriebwagen führten nicht zum gewünschten Erfolg. Die Benzoltriebwagen waren auf den Srecken Kißlegg – Aichstetten, Böblingen – Eutingen und Saulgau – Sigmaringen eingesetzt, bewährten sich aber nicht besonders, so dass bereits bei Kriegsausbruch von ursprünglich fünf nur noch zwei übrig waren.

Der Akkumulatorentriebwagen AW 1, auffallend in Elfenbein – Hellblau lackiert, lief zuerst  im Nahverkehr auf der Strecke Stuttgart – Cannstatt und ab 1903 zwischen Ravensburg und Friedrichshafen. Auch er setzte sich nicht durch und wurde zum Wagen zurückgebaut und in den Werkzug der Hauptwerkstätte Esslingen eingereiht.

Und es bleibt auch bei den beiden Kleinlokomotiven KL. Ebenfalls mit Kittelkessel und für den Einmannbetrieb ausgestattet, konnte mit ihnen ein flotter Betrieb mit ein paar, wenigen Wagen durchgeführt werden. Für die Westdeutsche Eisenbahn-Gesellschaft gebaut wurden sie 1910 in den Lokomotivbestand übernommen und waren dort aber schon 1920 nicht mehr zu finden.

Quellen:
Das deutsche Eisenbahnwesen der Gegenwart, Verlag von Reimar Hobbing in Berlin, 1911.
Eisenbahnen in Württemberg-Hohenzollern, Nachdruck des amtlichen Taschenfahrplans 1919/1920, Franckhs Eisenbahnbibliothek 1983.