Württembergische Staatseisenbahnen

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Güterzüge

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Bei den Güterwagen verlief die Entwicklung etwas anders als bei den Personenwagen. Wurden auch hier zu Anfang vierachsige bedeckte und offene Wagen beschafft, kamen sehr rasch zweiachsige Wagen mit immer längerem Achsstand und höherer Ladefähigkeit zum Einsatz. Hatten die meisten Wagen anfangs noch beidseitig Bühnen, wovon eine mit der Bremskurbel ausgestattet war, so fiel zunächst die Bühne ohne Bremskurbel weg um mehr Ladefläche bei gleicher Gesamtlänge zu gewinnen. Bald erschien auch in Württemberg das Bremserhaus. Lackiert waren die Güterwagen tannengrün. Bis sich schließlich die württembergischen Wagen, mit dem Aufkommen der Verbandswagen 1909, von denen der anderen Länderbahnen nur noch durch die Eigentumsanschriften unterschieden. Spätestens die Verbandswagen wurden nun auch rotbraun lackiert.

Der Eigentümer der Wagen, die königliche württembergischen Staatseisenbahnen wies sich schon vorher auf unterschiedliche Art aus. Lautet zuerst die Bezeichnung noch „K.W.St.E“. So folgt darauf ein schlichtes „Württemberg“. Der Untergang der Monarchie nach dem ersten Weltkrieg ist an den Anschriften in Württemberg, anders als bei den Nachbarn, wo plötzlich die Krone oder das „königlich“ weg musste, nicht auszumachen. 1905 wurden die alten Gattungsbezeichnungen für Güterwagen aufgegeben und das preußische Beschriftungsschema weitgehend übernommen.

Man konnte sie schon erkennen, die ursprünglichen, württembergischen Güterwagen, an den gedeckten Güterwagen Litera H und Hs auffallend große und schön geformte Lüftergitter und blechbeplankte Türen die den württ. Wagen ein eigenes Gesicht gaben.


Ein württembergischer H. Hier aber ohne die blechbeplankte Tür.

Drehschemelwagen, für den Langholztransport, wurden erstmals von Württemberg eingesetzt. Diese machten dem vormals florierenden Flößergewerbe, den Holztransport aus dem Schwarzwald streitig und führten zuletzt zu dessen völligen Verschwinden.

Eine ganze Reihe von Wagen,  können als typisch württembergisch sehr leicht der K.W.St.E. zugeordnet werden. Am anrüchigsten sind hier die Latrinenwagen. In ihnen wurden die Fäkalien der größeren Städte, gegen Entgelt, der Landwirtschaft nutzbar gemacht. Es gab eigens dafür gebaute Be- und Entladeeinrichtungen in denen das kostbare Gut in Gruben auch zwischengelagert werden konnte. Einer der seltenen Fälle in denen buchstäblich Sch.... zu Geld gemacht wurde. Latrinenwagen gab es zwar bei anderen Bahnverwaltungen auch, die württ. Bauform mit den drei einzelnen quer liegenden Fässern war aber typisch für Württemberg. Lediglich Sachsen und Dänemark hatten fast gleiche Wagen.

Schon appetitlicher waren die Zichorienwagen in denen die Wurzeln in die Fabriken gebracht wurden um daraus Kaffeersatz herzuzustellen. Es handelte sich meiner Meinung nach um gewöhnliche offene Güterwagen der Gattung Litera J die einen Aufsatz und ein Dach mit Ladeklappen verpasst bekamen. Durch die spitzgieblige Dachform und der Höhe irgendwo zwischen offenen und gedeckten Güterwagen müssen sie aber im Zugverband aufgefallen sein. Bilder kenne ich leider keine.


Modell eines Zichorienwagens. Einen Baubericht gibt es hier.

Eine Nummer kleiner, will sagen etwas niederer, aber sonst im Aussehen sehr ähnlich waren die Salzwagen, die ihr nässeempfindliches Gut aus den Salinen in Württemberg transportierten.

Schon lange vor Bildung des Staatswagenverbandes 1909 waren in Württemberg aber auch Güterwagen fremder Bahnverwaltungen anzutreffen. Allerdings waren die Vereinbahrungen zwischen den  Bahnverwaltungen unterschiedlich. Die Benutzung fremder Wagen war eingeschränkt, eine Wagenmiete musste entrichtet werden und erforderte umfangreiche Aufzeichnungen über den Lauf des Wagens und eine komplizierte Abrechnung. Außerdem waren dadurch eine Menge Güterwagen leer unterwegs. Nach 1909 wurden die Wagenmieten im Verhältnis der Wagenachsbestände, also der eingestellten Wagen, verteilt und die Wagen konnten ohne Einschränkungen benutzt werden.
Neben dem Staatswagenverband, bestehen noch zwei weitere große Wagenverbände, der „Internationale Verband zum gegenseitigen Austausch der Wagen“ und der deutsch-italienische Wagenverband.
Den größten Anteil der verkehrenden Güterwagen im Reich hatte Preußen gefolgt von Bayern. Ein Güterzug um die Jahrhundertwende dürfte daher, selbst in Württemberg selber, nur wenige württembergische Wagen enthalten haben.

Wie sich die die eingestellten Wagen im Staatswagenverband verteilten zeigt die Tabelle von 1910:


 

Bevor uns also ein württembergischer Wagen begegnet, sind, rein statistisch, schon über 30 preußische Güterwagen an uns vorüber gefahren.

Der Bedarf und Bestand an Wagen wurde täglich in jedem der zehn Verwaltungsbezirke im ganzen Reichsgebiet festgestellt und dem Hauptwagenamt mitgeteilt und von dort aus ausgeglichen. Immer noch eine höchst komplizierte Angelegenheit.

Welchen Umfang das Ganze hatte zeigt die Bedarfsmeldung eines Tages vom 8. Juni 1910:

 

Bedeckte Wagen (auf 10t zurückgeführt)

 56146

56384

Großräumige bedeckte Wagen

238

Offene Wagen (gewöhnliche Koks- und 20t-Wagen, auf 10t zurückgeführt

89147

Großräumige offene Wagen

4474

Kalkwagen

1422

Vierachsige Schienenwagen

1290

Holzwagen

1055

2- und 3-achsige Schienenwagen

491

Offene hochwändige Wagen

446

Doppelbödige Viehwagen

264

Anhand dieser Zahlen kann man in etwa abschätzen wie sich der durchschnittliche Güterzug zusammengesetzt haben mag.

Es wurde unterschieden in Ferngüterzüge, Nahgüterzüge und Durchgangsgüterzüge. Bei den Nahgüterzügen seien noch die Stückgüterzüge genannt. Außerdem gab es noch Viehzüge und Eilgüterzüge. In den meiste Fällen dürfte das Frachtaufkommen aber für eigene Züge zu schwach gewesen und einzelne Wagen wurden in Personenzüge eingestellt .

Je nach Schwerpunkt gab es recht häufig die Güterzüge mit Personenbeförderung und Personenzüge mit Güterbeförderung.