Württembergische Staatseisenbahnen

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Die Anschriften der württembergischen Wagen.

Bernd Beck

Schwarzweiss Fotos als Quelle
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Württemberg Lokomotiven
württ. C Glanzblech
Württembergische Wagen Farben
Württembergische Wagen Anschriften
Farben Württemberg Ergänzungen

 

Bernd Beck haben die bisherigen Ausarbeitungen über die Anschriften keine Ruhe gelassen. Daher ergänzt er, dankenswerter weise, hier die bekannten Quellen mit seinem Artikel:

Beschriftung württembergischer Personenwagen

Die Bezeichnung und Beschriftung württembergischer Personenwagen lässt sich, soweit bekannt, in drei Gruppen einteilen:

1.                  „Altwürttembergische“ Beschriftung von ca 1845 bis 1914

2.                  Die Übergangszeit von ca 1895 bis 1914

3.                  Die „Internationale“ Beschriftung von 1895 bis 1920

Württemberg hatte ja von 1845 an, dem Start der Königlich württembergischen Staats Eisenbahnen, eine kontinuierliche Entwicklung der Verwaltung der Staatsbahn. Man sollte erwarten, daß auch die Farbgebung und Beschriftung kontinuierlich weiterentwickelt wurde. Allein- wir wissen es nicht genau. Dokumente aus der Frühzeit liegen uns nur für die Farbgebung vor, die Beschriftung der ersten Eisenbahnfahrzeuge liegt im Dunkel der Geschichte. Erst ab 1860 liegen uns mit ersten Fabrik- Fotos Hinweise auf die Beschriftung vor. Weitere Hinweise sind die Verweise auf Umbauten und Bestände in den jährlichen Verwaltungsberichten der Württembergischen Verkehrsanstalten 

Die „Altwürttembergische“ Beschriftung von ca 1845 bis 1910

Die württembergischen Lokomotivklassen wurden mit römischen Zahlen, die Eisenbahnwagen mit Gattungsbuchstaben bezeichnet, im damaligen amtlichen Sprachgebrauch oft auch mit dem lateinischen Wort für Buchstaben „Litera“ bezeichnet. Personenwagen wurden mit den Buchstaben A. bis E., Güterwagen ab F. bezeichnet.  Während die Lokomotivbezeichnung bereits 1858 auf Buchstaben und die Güterwagen 1905 im Vorgriff auf den Staatsbahn- Wagenverband auf die „international“ übliche Bezeichnung mit Haupt- und Nebengattungszeichen geändert wurden, blieb das ursprüngliche Bezeichnungssystem für Personenwagen -zumindest in Teilen- bis zum Ende der Staatsbahnzeit bestehen.

Das hatte leider eine gewisse Ungenauigkeit zur Folge. Die Bezeichnung sämtlicher Bauarten von Personenwagen mussten mit den 5 Buchstaben A bis E auskommen. Aber anno 1845 konnten die Schöpfer des Bezeichnungssystems natürlich nicht ahnen, welche Vielzahl von Bauarten noch dazukommen sollten. Man behalf sich im Laufe der Zeit mit kleinen Indices, die die   Gattungsbuchstaben – mehr oder weniger sinnvoll-ergänzten.

Hinter den Gattungsbuchstaben war dann mit einem Punkt getrennt die Ordnungszahl angeschrieben.

Ab 1845 wurden folgende Wagenbauarten eingesetzt:

Gattung A.      Vierachsige Wagen 1. und 2. Klasse

Gattung B.      Vierachsige Wagen 2. Klasse

Gattung C.      Vierachsige Wagen 3. Klasse

Gattung D.     Zweiachsige Wagen 2. Klasse

Gattung E.      Zweiachsige Wagen 3. Klasse

Damals war das ein klares System. Im Laufe der Zeit kamen dann zahlreiche Wagen hinzu, die wie beschrieben in die für Personenwagen vorgesehenen 5 Gattungen eingepasst werden mussten.

In die Gattung A. wurden alle Arten von Salonwagen eingereiht, zwei- drei- und vierachsig. Dazu kamen Wagen erster und 1-. / 2. Klasse, ebenfalls zwei-, drei- und vierachsig.

Gattungen B. und C. waren drei- und vierachsige Wagen, Gattungen D. und E. die Zweiachser. Aus den Drittklasswagen C und E wurden 1907 durch beistellen eines kleinen 4 die Wagen C4 und E4 für die vierte Klasse. So kam es schließlich zu folgender Systematik:

Gattung A.      Alle Arten von Salonwagen (Cavalierwagen, Dienerschaftswagen

                        Abteilwagen 1. Klasse, Wagen des Königs) zwei- drei und vierachsig

                        Revisionswagen dreiachsig

                        Durchgangswagen 1. Klasse zwei- und vierachsig

                        Abteilwagen 1. / 2. Klasse zwei- und dreiachsig

                        Durchgangswagen 1. / 2. Klasse zwei-, drei- und vierachsig

Gattung Ac     Durchgangswagen 2. / 3. Klasse vierachsig

Gattung B.      Durchgangswagen 2. Klasse vierachsig

Gattung C       Durchgangswagen 3. Klasse drei- und vierachsig

Gattung C4     Durchgangswagen 4. Klasse vierachsig

Gattung C3     Abteilwagen 3. Klasse dreiachsig

Gattung D      Abteilwagen 2. Klasse zweiachsig

                        Durchgangswagen 2. Klasse zweiachsig

Gattung Da     Durchgangswagen 2. / 3. Klasse zweiachsig

Gattung E       Durchgangswagen 3. Klasse zweiachsig

Gattung E4      Durchgangswagen 4. Klasse zweiachsig

 

Gatung Gef.   Gefangenen- und Krankenwagen

Gattung Gep.  Gepäckwagen

Gatung Post    Postwagen

 

Die „internationale“ Beschriftung ab 1895

Das Bezeichnungssystem war, wie aus obigere Liste ersichtlich, etwas unübersichtlich geworden. Und nun kamen in den neunziger Jahren eine neue Wagenbauart, die Schnellzugwagen für D- Züge hinzu. Für diese Wagen wurde das Bezeichnungssystem umgestellt, wie bei den anderen deutschen Bahnen üblich. Dazu wurde die Wagenklasse durch den Gattungsbuchstaben A, B oder C für 1., 2. oder 3. Klasse, später noch D für vierte Klasse definiert. Ergänzend dazu kamen angehängte kleine Buchstaben als Nebengattungszeichen wie i- mit offenen Übergängen, ü- mit gedecktem Wagenübergang usw. Bei vierachsigen Wagen wurde das Hauptgattungszeichen verdoppelt.

Die vierachsigen Schnellzugwagen von 1895 erster und zweiter Klasse wurden daher als ABBü bezeichnet. Auch die dreiachsigen Durchgangswagen aus dem gleichen Jahr wurden nach dem neuen System als BC bezeichnet, in der Ausführung mit Bremszahnrad BCz.

Im Verwaltungsbericht von 1898 ist erstmals die Bezeichnung BC für Wagen erster und zweiter Klasse verwendet, die übrigen Wagenbauarten werden dort bezeichnet wie bisher. Auch die vierachsigen Eilzugwagen mit offenen Endbühnen, gebaut ab 1900, wurden im neuen Systen als CCi bezeichnet. Das bedeutet, daß alle Wagen, die für die Verwendung im D- Zugs- und im Eilzugdienst gedacht waren, die neue Bezeichnung erhielten. Für die in innerwürttembergischen Diensten eingesetzten Wagen wurde das alte System noch einige Jahre beibehalten. Neue zweiachsige Wagen wurden bis mindestens 1914 noch nach dem alten System bezeichnet, wie die in großer Zahl gebauten 4. Klasswagen E4. Andererseits wurden die 2. / 3. Klasse Wagen von 1910 schon als BCi abgeliefert. Bei den vorhandenen älteren Wagen blieb das alte Bezeichnungsschema bis zum Ende der Länderbahnzeit erhalten, wie Aufschriebe von 1924 belegen.

wird fortgesetzt...