Württembergische Staatseisenbahnen

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Taunus-Eisenbahn 1849

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Von Andreas Werner bekam ich diesen Text zur Taunusbahn von 1849.
Er stammt aus "Organ für die Fortschritte des Eisenbahnwesens"", Heusinger v. Waldegg (Hrsg.), Jg. 1849, Bände 3-4, S.39.

Es ist ein Vertragsentwurf für "Lakirerarbeiten"

Accordbedingungen für die Lackirerarbeiten bei den Wagen und Locomotiven der Taunusbahn.

Zwischen dem Maschinenmeister und dem Lackirermeister ist heute folgender Vertrag, wegen Leistung sämmtlicher an den Wagen und Locomotiven der Taunus-Eisenbahn vorkommenden Lackirerarbeiten nebst der Lieferung der dazu erforderlichen Materialien vorbehaltlich der Genehmigung der Direction abgeschlossen.

§. 1. Alle vorzunehmenden Lackirerarbeiten werden dem Meister ...... von  dem Maschinenmeister vorher bezeichnet und darf Ersterer durchaus keine anderen Arbeiten in den Taunus-Eisenbahn-Werkstätten vornehmen, welche  der Maschinenmeister nicht gut geheißen und als nöthig erachtet hat.

§. 2. Die Lackirerarbeiten müssen ordnungsmäßig und sauber ausgeführt  werden, namentlich bei den Wagen alle Risse und Unebenheiten, jedesmal  sorgfältig verkittet und abgeschliffen; die Anstriche der Farben so oft  aufgetragen werden, daß sie vollkommen decken, ferner sollen die Ausfassungen, Schriften und Verzierungen rein und geschmackvoll und die  Firnisse in der bestimmten Anzahl aufgetragen und so gleichmäßig verstrichen werden, daß weder Pinselstriche noch ein Ueberfluß ober Mangel an Firniß zu entdecken ist und die Flächen spiegelglatt erscheinen.

§. 3. Es ist genau darauf zu achten, daß die Nummer, welche ein Wagen  etc. erhalten hat, beibehalten wird und zur Vermeidung von Verwechslungen soll jedesmal, wenn ein Wagen in die Lackirerwerkstätte kommt, diese Nummer mit
Farbe unter dem Wagenboden oder einer Stelle,  welche nicht mit Farbe bestrichen wird, zuvor deutlich bezeichnet werden.

§. 4. Alle zu diesen Lackirerarbeiten nöthigen Materialien hat Meister  ...... für seine Rechnung zu stellen und damit die Verwaltung der Taunus-Eisenbahn-Gesellschaft die Ueberzeugung hat, daß nur Materialien von anerkannter Güte dazu verwendet werden, dieselben aus dem Hauptmagazin der Taunus-Eisenbahn zu dem Einkaufspreise gegen Quittung  zu beziehen; am Schlusse eines jeden Monats werden ihm alsdann diese  Materialien von seiner Rechnung in Abzug gebracht. Es bleibt jedoch  Meister ...... überlassen, für die Folge bei Ergänzung abgängiger  Lackirer-Materialien des Hauptmagazins billigere Bezugsquellen ausfindig  zu machen, die auch bei gleicher Güte der Materialien berücksichtigt werden sollen.

§. 5. Ebenso hat Meister ...... das ihm Anfangs März 1849 inventarisirte Werkzeug und Geräthe in gutem Stand zu erhalten, und das davon  abgängige zu ergänzen (welches letztere sein Eigenthum alsdann verbleibt), sowie alle weiter nöthigen Handwerkzeuge und Geschirre, wie  Pinsel, Schwämme, Waschleder, Seife etc. selbst zu stellen; dagegen sorgt die Verwaltung der Taunus-Eisenbahn-Gesellschaft wie bisher für  Heizung und Beleuchtung der Lackirer-Werkstätte.

§. 6. Ferner hat Meister ...... die bei seinen Arbeiten nöthigen Gehülfen selbst anzustellen und zu bezahlen. Zur Annahme und Entlassung  eines Gehülfen hat er jedoch zuvor die Genehmigung des Maschinenmeisters einzuholen, sowie wegen Beurlaubungen, der Arbeitszeiten und übrigen Verhältnisse das in den Werkstätten der Taunus-Eisenbahn zu Kastel eingeführte Werkstätten-Reglement nach wie vor für die Lackirer-Werkstätte noch in Wirksamkeit bleibt.

§. 7. Die Verwaltung der Taunus-Eisenbahn-Gesellschaft verspricht dagegen dem Meister für die vollständig fertigen und gut ausgeführten Lackirerarbeiten einschließlich der dazu verwandten Materialien an jedem  monatlichen Zahltage folgende Preise baar zu bezahlen. Dieselben sind nach den Anfang 1849 bestehenden Preisen der Lackirer-Materialien bestimmt und ändern sich, je nachdem die Materialpreise fallen oder steigen, oder andere Materialien dazu verwendet werden sollten.

[Tabelle]

1 Lokomotive vollständig fein zu lackiren, zweimal grün anzustreichen,  Rahmen
und Räder schwarz und roth auszufassen, zweimal zu firnissen,  Eisenwerk schwarz
und Rauchkasten von Innen mennigroth  anzustreichen...........35 fl. 00 kr.

1 dieselbe zweimal grün anzustreichen, einfach schwarz auszufassen und  zweimal
zu firnißen, Eisenwerk schwarz und Rauchkasten von Innen  mennigroth
anzustreichen...........25 fl. 00 kr.

1 dieselbe blos Anstreichen des Kessels, Putzen und Ausbessern des  Rahmens und
der Räder, sowie Firnissen des Ganzen und Schwarzmachen des  
Eisenwerks...........20 fl. 00 kr.

1 Tender vollständig fein zu lackiren, doppelt auszufassen, Nummer zu  vergolden
und zweimal zu firnißen. Ferner Eisenwerk schwarz und den  Wasserkaften von
Innen mit Mennig anzustreichen...........20 fl. 00 kr.

1 desgleichen einfach zu lackiren, blos schwarz auszufassen, Nummer zu  
vergolden und zweimal zu firnißen, Eisenwerk schwarz und Wasserkasten  von Innen
mennigroth anzuftreichen...........15 fl. 00 kr.

1 Paar Triebräder für Locomotive grün anzuftreichen, schwarz auszufassen und zu
firnissen...........4 fl. 00 kr.

1 Paar Laufräder desgleichen...........3 fl. 00 kr.

1 Rauchkammer, Schornstein und Aschenkasten einer Locomotive schwarz
anzustreichen...........2 fl. 00 kr.

1 Berline (1te Klasse) oder combinirter Wagen 1ter und 2ter Klasse  vollständig
fein zu lackiren, 2mal anzustreichen, auszufassen, die  Stadtwappen auf die
Thüren zu malen, Nummer und Wagenklasse zu  vergolden, und 3mal zu
firnißen...........33 fl. 00 kr.

Für jeden weiteren Firniß mehr...........6 fl. 00 kr.

1 Berline (1te Klasse) oder combinirter Wagen 1ter und 2ter Klasse zu  reinigen,
abzuschleifen, auszubessern, Räder und Schwellen schwarz  anzustreichen und fein
zu firnißen...........10 fl. 00 kr.

1 Diligence (2te Klasse) und combinirter Wagen 2ter und 3ter Klaffe  frisch zu
lackiren, d. h. 2mal grün anzustreichen, schwarz und roth  auszufassen, zu
nummeriren, 3mal zu firnißen und Untergestelle und  Fußboden
anzustreichen...........27 fl. 30 kr.

1 desgleichen zu putzen, auszubessern, frisch zu firnißen und Eisenwerk,  
Schwellen etc. schwarz anzustreichen...........9 fl. 00 kr.

1 Char-à-Bancs, Waggons und Biebricher Wagen à 40 Personen neu zu  lackiren, d.
h. 2mal grün anzustreichen, schwarz und roth auszufassen,  2mal zu firnißen, den
Kasten von Innen weiß und das Untergestelle  schwarz anzustreichen...........25
fl. 00 kr.

1 Waggon à 30 Personen neu zu lackiren wie oben...........22 fl. 00 kr.
Anstreichen der Fußböden 3ter Klasse..........." fl. 30 kr.
1 großer Packwagen frisch zu lackiren, d. h. 2mal grün anzustreichen,  schwarz
und roth auszufassen, 2mal zu firnißen, den Kasten von Innen  weiß und das
Untergestell und Eisenwerk schwarz  anzustreichen...........29 fl. 00 kr.

1 desgleichen kleiner mit Conducteursitz, wie oben...........24 fl. 00 kr.

1 Transportwagen mit Geländer, sowie sechsrädrige Transportwagen ohne  Geländer
ordinär grün anzustreichen , und Eisenwerk wie Untergestell und  Fußboden
schwarz zu machen...........9 fl. 00 kr.

1 desgleichen ohne Geländer...........5 fl. 00 kr.

1 Transportwagen, Ueberzug schwarz anzustreichen...........2 fl. 30 kr.

1 Personen-, und Packwagendach anzustreichen, Leisten zu verkitten
etc............1 fl. 20 kr.

2 große Schilde für Biebricher Wagen mit Arabesken anzustreichen, zu zeichnen
und 2mal zu firnißen...........6 fl. 00 kr.

2 kleine einfache desgleichen...........2 fl. 00 kr.

Grundiren von neuem Holz und Eisenwerk per Quadratfuß..........." fl. 01 kr.

Mit Oelkitt verspachteln und abzuschleifen per Quadratfuß..........." fl. 02 kr.

Ausgießen der Wagendächer mit Glu-Marine per lauf. Fuß...........

3mal Anstreichen derselben mit flüssigem Glu-Marine per Quadrat-Fuß...........

Modelle nach Uebereinkunft...........


§. 8. Bei obigen Preisen ist Meister ...... verpflichtet, die Wagen aus dem obern Bahnhofe in die Lackirer-Werkstätte abholen und in Ersteren wieder zurückbringen zu lassen.

§. 9. Obiger Vertrag kann nach monatlicher Kündigung sowohl Seitens der Verwaltung der Taunus-Eisenbahn-Gesellschaft, als Seitens vom Meister  ...... zu jeder Zeit aufgehoben werden, und tritt in Kraft, sobald er die Mitunterschrift
des Herrn Directors erhalten hat.

Kastel, den 13. März 1849.
(Unterschriften)

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