Die Postwagen

Durch Zweifeln kommen wir nämlich zur Untersuchung; in der Untersuchung erfassen wir die Wahrheit.
(Peter Abälard, frz.Theologe, 1079 - 1142)
Da Sachsen seit 1867 zum Norddeutschen Bund gehörte, gingen seine Postverwaltungen in der "Norddeutschen Bundespost" auf. Nach der Reichsgründung 1871 wurde diese in "Deutsche Reichspost" umbenannt.[Lexikon][Post]
Exkurs: Postwagen in Preußen
Die grüne Farbe preußischer Postwagen belegt die entsprechende Dienstvorschrift von 1905:
§ 1. Anstrich der Personenwagen
(1) Die Wände der Personenwagen erhalten einen äußeren Anstrich nach den Probetafeln I/A, II/A, III/A oder IV/A und an den Unterkanten einen schwarzen Streifen von 40mm Breite.
(2) Die am Wagenkasten befindlichen Eisenteile, wie Eckwinkel, Leisten, Handgriffe, Fußtritte Leitern, Haken, Ösen, Bremsteile, Laternenstützen und Leinenhalter, die außerhalb des Wagenkastens liegenden Teile der Dampfheizeinrichtung und das Untergestell einschließlich Tragfedern, Achsbuchsen, Bremsteile, Zug- und Stoßvorrichtungen sind schwarz, die Griffe der Absperrhähne zur Bremsluftleitung, die Griffe der Züge zum Auslösventil am Bremszylinder und die Schutzkappen für Füllventile und Haupthähne der Gasbeleuchtungseinrichtung sind grellrot zu streichen.
(3) Die äußeren Anschriften und Zeichen am Wagenkasten und Untergestell sind in der Regel in gelber Farbe auszuführen. Nur die Angaben für durchgehende Bremsen sind in roter, die Anschrift des Gasbehälterinhalts und der nächsten Untersuchung ist in weißer Farbe, die Anschrift der Heimatstation in schwarzer Farbe auf weißem Grunde herzustellen.
(4) [Innenanstrich]
(5) ..
Die äußeren Wandflächen der II. Klasse erhalten einen olivgrünen Anstrich nach der Probetafel II/A.
Die einzelnen Felder, die Türen und Fenster sind mit einem 2mm breiten gelben Streifen abzusetzen.
..
§ 9. Anstrich der Bahnpostwagen
Die im § 1 für Personenwagen II. Klasse gegebenen Vorschriften sind auch für den äußeren Anstrich und die Anschriften der Bahnpostwagen maßgebend. Der innere Anstrich der Wände ist hellahornfarbig.
...
§ 10. Bezeichnung der Bahnpostwagen
A. Äußere Bezeichnungen am Wagenkasten
(1) Als allgemeines Eigentumsmerkmal, daß die Zugehörigkeit zur Deutschen Reichspostverwaltung ausdrückt, ist tunlichst in der Langmitte jeder Seitenwand nahe unter dem Dach die Aufschrift:
Kaiserlich Deutsche Post oder
Kaiserliche Post
und darunter der deutsche heraldische Reichsadler anzubringen.
(2) Lange Wagen sind an jeder Langwand in angemessener Entfernung von einander [und]
von den Wagenkanten zweimal mit diesen Bezeichnungen zu versehen.
(3)Die Wagennummer ist in den oberen Ecken jeder Lang und Stirnwand anzubringen.
(4)Als Gattungsbezeichnung ist unter der Wagennummer an der linken Seite jeder [End-]
wand das Wort Post anzuschreiben.[KPEV1905]

Nach Farbvergleichen von Dr. Klaus Weibezahn an zeitgenössischen Modellen im damaligen Berliner Verkehrs- und Baumuseum entsprachen die "olivgrünen" Anstriche 2.Klasse dem heutigen RAL 6008 braungrün.[EM 7/84 S.53][Diener (PW) Seite 10]
Originale Probetafeln sind leider bisher nicht aufgefunden worden. [LBF 4460]

Zur Hintergrundfarbe des Reichsadlers findet sich ein Hinweis von 1915 in [Lager-Vorräte S.323] im Abschnitt "Abziehbilder":
Der Untergrund der Schriften und Adler für Güterwagen soll eine saubere, weiße Farbe haben, der für Adler der Personenwagen aus Aluminiumbronze bestehen, der für Postwagen aus Aluminiumgold.

Wappenkunde

Da die Wagen von der Reichspost beschafft und betrieben wurden, kann man von gleichfarbigen Postwagen auch in Sachsen ausgehen. Schwarzweißfotos sächsischer Postwagen (Schmalspurwagen sind aussagekräftiger, da Normalspurfotos auch "Nichtsachsen" zeigen könnten) zeigen eine gleichartige Ausführung der Beschilderung wie in Preußen.

Entsprechungen der Wappen an Postwagen

KP= "Kaiserliche Post"
KDP= "Kaiserlich Deutsche Post"
Wappenform Sachsen Preußen / Postverwaltung
Relief KP(?) Schmiedeberg 1891 [SA 2 S.142]KDP Görlitz 1889 [Görlitz S.38]
flach, rund KP Görlitz 1892 [Görlitz S.39, Seku S.92] KP Görlitz 1895 [Görlitz S.39]
flach, spitz KP Meinersdorf 1911 [Schmalspuralbum 5 S.77] KP Ort? 1905,1908 [EM 2/87 S.48, EJ 5/90 S.19]

Die Stirnwand eines Schmalspurpostwagens mit dunkler (schwarzer?) Pufferbohle und "1544 Post" in der linken oberen Ecke zeigt ein undatiertes sächsisches Schmalspurfoto aus Wermsdorf.[SR6 S.72, (schlechter:) SR5 S.78]

Farbuntersuchung der IG Verkehrsgeschichte Wilsdruff

Vor der Renovierung des Schmalspurbahnpostwagen 2680 wurde eine Farbanalyse gemacht:
So gab es für die Mitglieder der IG Verkehrsgeschichte e. V. nur die Möglichkeit der Analyse von Altsubstanz. Diese erfolgte im Dresdner Labor für naturwissenschaftliche Kunstgutuntersuchungen durch Professor Schramm und seine Frau. Dabei wurde von noch vorhandenen Altbrettern aus dem Jahre 1908 ein Querschliff angefertigt. In 120-facher Vergrößerung konnte so die Farbabfolge eindeutig identifiziert werden: graue Vorstreichfarbe als Egalisierung des Untergrundes, rote Erstfarbgebung, darauffolgende mehrere Schichten grün. Da laut der Farbuntersuchung die erste Farbgebung exakt dem Farbton von Consolan Wetterschutz Rot 211 entsprach, fiel die Entscheidung zugunsten dieser Farbe ... [PressKurier 1/2005]

Wer sich selbst einen Eindruck verschaffen will, kann ein Farbfoto der Farbuntersuchung im Buch "Mit der Schmalspurbahn durchs Wilsdruffer Land" von Peter Wunderwald finden.[Wunderwald S.121] Der Querschnitt zeigt eine dünne, zerklüftete rote Oberfläche, die sich deutlich von den folgenden, dicken, glatten, grünen Farbschichten unterscheidet. Ich vermute, dass es sich dabei nicht um einen Decklack handelt.

Der Wagen kann heute in roter Farbgebung besichtigt werden.[IG Wilsdruff]

Fazit

Falls tatsächlich eine rote Farbgebung der Bahnpost vorkam, blieb sie eventuell auf Schmalspurstrecken beschränkt. Wahrscheinlicher erscheint mir eine rote Holzschutzfarbe mit zusätzlichem grünen Decklack. Ich gehe von generell grünen Wagen der Reichspost aus.

Postwagen
Abb.:    Postwagen der Reichspost.
Wagen in der normalen grünen Farbe mit gelbglänzenden Wappen
(das rechte Wappen erscheint nur durch Sonneneinstrahlung so weiß)
Foto: Verfasser (Radebeul 2008)




Nils Moh
(merman bei arcor.de)